Kompetenzzentrum für studierende Arbeiterkinder

Studierende aus Arbeiterfamilien oder mit einer so genannten bildungsfernen Herkunft machen immer wieder ähnliche Erfahrungen an der Uni. Zunächst: Die Hochschule ist ein sozial sehr geschlossener Raum, die meisten Studierenden kommen aus mittleren und oberen Gesellschaftschichten und sind schon von zu Hause mit höherer Bildung und „legitimer Kultur“ (ein Begriff aus der Soziologie) vertraut. Zudem sind die finanziellen Ressourcen bei Arbeiterkindern eingeschränkter. Dieses Komptenzzentrum will wichtige Hilfen und Informationen für das Studium bereitsstellen, auch soll ein gemeinsamer Austausch über Probleme, Lösungen, Tips und Tricks im Studium angeregt werden.

Der Träger des Projektes „Kompetenzzentrum für Arbeiterkinder“ ist das autonome AStA-Referat für studierende Arbeiterkinder an der Uni Münster

http://www.asta.ms/home/referate/fikus

Workshops an der Uni Münster

Wir laden Euch zu einigen Workshops an der Uni Münster ein, wo ihr auf angenehme Weise Eure Studienkompetenz erhöhen könnt. Dabei geht es vor allem darum, sich im Studium wohler zu fühlen und sich selbstsicherer im „sozialen Raum“ der Universität zu bewegen.

Workshops für studierende Arbeiterkinder:

Einladungsplakat

Motto: Relaxen und Reflektieren zum Semesterausgang

Übersicht:

1.)
Macht und Ohnmacht im Studium – wie setze ich mich besser durch?
Samstag, 3. Juli

2.)
Macht und Ohnmacht im Studium – wie setze ich mich besser durch?
Teil 2: Vertiefung – Praxis und Kommunikationsmodelle
Samstag. 10. Juli

3.)
Wie finde ich das passende Berufsfeld? Wie setze ich mich in Berufsfeldern durch?
Erfahrungsaustausch und Entwicklung von Perspektiven
Freitag, 16. Juli

WORKSHOP FAELLT AUS; DER WORKSHOP WIRD IM OKTOBER/NOVEMBER NACHGEHOLT, TERMINE WERDEN NOCH BEKANNT GEGEBEN

4.)
Das Studium und ich – Biographie, Identität und wissenschaftliche Bildung
Samstag, 17. Juli

WORKSHOP FAELLT AUS; DER WORKSHOP WIRD IM OKTOBER/NOVEMBER NACHGEHOLT, TERMINE WERDEN NOCH BEKANNT GEGEBEN

Die detaillierte Beschreibung der Workshops:

(1)
Macht und Ohnmacht im Studium – wie setze ich mich besser durch?

Die Bildung findet von Anfang an in einem bestimmten “Machtfeld” statt. Schüler aus akademischen, bildungsnahen Familien haben oft außerschulische kulturelle Lernorte und setzen sich so in der Schule besser durch. An der Uni setzt sich das fort: Die einen sind lockerer und souveräner, studierende Arbeiterkinder sind oftmals in der Sphäre der Universität zurückhaltender und haben mehr Probleme, ihre Rolle zu finden. Dies schlägt sich auf das Verhältnis zu den Hochschullehrern ebenso nieder wie auf zukünftige Karrieremöglichkeiten. Manchmal haben Arbeiterkinder das Gefühl, trotz hoher Kompetenz und großem Interesse nicht so wahrgenommen zu werden.
Wir wollen das soziale Kraftfeld erforschen, in dem Bildung stattfindet und unsere eigenen Handlungsmöglichkeiten darin ausloten. Der Workshop soll einen Motivationsschub fürs Studium geben, indem wir Verhaltensweisen erproben, mit denen wir uns besser durchsetzen können. In jedem Seminar findet “Mikropolitik” statt, auch da geht es um Anerkennung und im Machtverhältnisse, in denen wir uns behaupten müssen. Außer dem gemeinsamen Austausch und praktischen Übungen werfen wir auch einen Blick in die wissenschaftliche Literatur zu dem Thema. Das alles in entspannter Atmosphäre mit Mittagspause und Kaffeetrinken.
Den Begriff “Arbeiterkinder” gebrauchen wir hier in einem sehr umfassenden Sinne, angesprochen sind alle, in deren Herkunftsfamilien akademische Bildung keine Tradition hat und die ihr “Integrationsgefühl” an der Uni verbessern wollen.

Ort: Internationales Zentrum die Brücke, Wilmergasse 2
Datum: Samstag, 3. Juli
Uhrzeit: 10 – 18 Uhr (mit ausreichend Pausen, Mittagessen und Kaffeetrinken)

Pädagogische Leitung: Tobias Fabinger

(2)
Macht und Ohnmacht im Studium – wie setze ich mich besser durch?
Teil 2: Vertiefung – Praxis und Kommunikationsmodelle

In diesem Workshop geht es um die Erforschung der sozialen Machtverhältnisse in denen wir im Studium stehen und darum, Strategien zu entwickeln, mit denen wir uns besser durchsetzen können und uns an der Universität wohler fühlen. Wie im ersten Workshop kann dabei ein Bewusstwerden der sozialen Herkunft und des spezifischen Studierstils stattfinden. Auch in diesem Workshop findet ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch und einige Praxisübungen statt. Der Schwerpunkt dieses Tagesseminaresliegt allerdings bei der Vertiefung der Theorien und Praxismodelle, an denen wir uns orientieren können. Dies sind das Habitus-Modell des Soziologen Bourdieu sowie die Themenzentrierte Interaktion von Ruth Cohn, die wir miteinander verbinden wollen. Für Studierende pädagogischer Studiengänge oder mit Erfahrungen und beruflichen Perspektiven in der Bildungsarbeit kann eine Bescheinigung über die Teilnahme an einer Fortbildung ausgestellt werden.

Ort: Internationales Zentrum die Brücke, Wilmergasse 2
Datum: Samstag, 10. Juli
Uhrzeit: 10 – 18 Uhr (mit ausreichend Pausen, Mittagessen und Kaffeetrinken)

Pädagogische Leitung: Tobias Fabinger

(3)
Wie finde ich das passende Berufsfeld? Wie setze ich mich in Berufsfeldern durch?
Erfahrungsaustausch und Entwicklung von Perspektiven

Viele Studierende haben bereits einige berufliche Erfahrungen und haben einen Eindruck davon bekommen, worauf es beim Erfolg in einem Berufsfeld ankommt. Auch bestehen bestimmte Berufswünsche, die oftmals nur wage und ungeklärt sind. Welche Tätigkeitsbereiche gibt es überhaupt etwa für Sozial- und Geisteswissenschaftler? Wie kann ich eine Strategie erarbeiten, um eine Chance in meinem gewünschten Berufsfeld zu bekommen? Welche Ressourcen brauche ich für die Berufseinmündung? Auch hier spielen Fragen der Sozialen Herkunft und des Habitus eine Rolle, da für Studierende aus Arbeitefamilien viele Berufsfelder unbekannt sind und in der Familie keine Erfahrungen vorliegen. Dieser Workshop soll uns helfen, unseren Berufswunsch klarer zu formulieren und einen Überblick über akademische Tätigkeitsfelder zu gewinnen.

Ort: AStA, Plenumsraum (Schlossplatz 1, das kleine Gebäude links vorm Schloss)
Datum: Freitag, 16. Juli,
Uhrzeit: 14 – 19 Uhr
Pädagogische Leitung: Tobias Fabinger

(4)
Das Studium und ich – Biographie, Identität und wissenschaftliche Bildung

Das Studium verändert uns, die intensive Beschäftigung mit wissenschaftlichen Inhalten kann Arbeiterkindern auch emotional von der Herkunftsfamilie entfernen oder von Fragen nach der eigenen Identität begleitet sein. Oftmals begleitet eine Art Verunsicherung die studierenden Arbeiterkinder, da sie das (bürgerlich-akademisch strukturierete) Studium und die hier vermittelten Inhalte nicht in ihre Identität integrieren können. Auch abstrahieren die Studieninhalte durchweg von den sozialen Erfahrungenvon Arbeiterfamilien, so dass gerade die Qualitäten der Arbeiterkinder sich oft nicht entfalten können. Wie gehen wir mit dieser Entfremdungerfahrung um? Ist eine andere Form der Wissenschaft möglich? Wie bringen wir Identitität und Lebensgefühl mit dem wissenschaftlichen Arbeiten zusammen? Und nicht zuletzt: Was sind die subjektiven Voraussetzungen für eine mögliche Karriere im wissenschaftlichen Feld und wie können wir durch “Identitäsarbeit” und mehr Selbstbewusstsein diese Voraussetzungen verbessern?

Ort: Internationales Zentrum die Brücke, Wilmergasse 2
Datum: Samstag, 17. Juli
Uhrzeit: 10 – 18 Uhr (mit ausreichend Pausen, Mittagessen und Kaffeetrinken)

Pädagogische Leitung: Tobias Fabinger